Ab durch die Hecke
Das Niederbayerische Streuobstwiesenkompetenzzentrum Lallinger Winkel e. V. veranstaltete in Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband Deggendorf e. V. einen Heckenworkshop für Streuobstwiesenberater, Obstpfleger und weitere Naturinteressierte. Durch den Tag führte Matthias Zarte, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Deggendorf e. V., der sein umfangreiches Fachwissen rund um das Thema Hecke mit den Teilnehmern teilte.
Zu Beginn ging es um die Grundlagen: Was ist überhaupt eine Hecke, welche unterschiedlichen Formen gibt es und welche Funktionen kann sie auf einer Streuobstwiese übernehmen? Von der klassischen Strauchhecke über Baumhecken bis hin zur Benjeshecke gibt es zahlreiche Möglichkeiten, eine Hecke anzulegen und dabei ganz unterschiedliche Ziele zu verfolgen.
Dabei wurde schnell deutlich: Eine Hecke ist weit mehr als eine grüne Abgrenzung der Streuobstwiese. Sie schützt die Obstbäume vor starken Winden, vermindert die Austrocknung des Bodens und kann durch ihre Beschattung zu einem ausgeglicheneren Kleinklima beitragen. Gleichzeitig wirken Hecken als natürliche Barrieren gegen Bodenerosion.
Welche Pflanzen geeignet sind, hängt immer vom Standort und vom gewünschten Zweck ab. Während beispielsweise die Zitterpappel einen hohen ökologischen Wert für zahlreiche Tierarten haben kann, ist eine Pflanzung unmittelbar an Straßen oder Feldwegen kritisch zu sehen. Äste können abbrechen und dadurch zur Gefahr für den Verkehr oder Spaziergänger werden.
Absolut ungeeignet ist hingegen der Japanische Staudenknöterich. Dieser kann sich über seine Ausläufer stark und ungewollt ausbreiten. Eine spätere Eindämmung ist mit erheblichem Aufwand verbunden. Mit der Zeit kann er konkurrenzschwächere Sträucher verdrängen, sodass von der ursprünglich vielfältig geplanten Hecke schließlich kaum noch etwas übrig bleibt.
Eine der wichtigsten Fragen bei der Planung lautet daher: Welchen Nutzen soll die Hecke erfüllen?
Soll sie vor allem Lebensraum für Tiere schaffen? Oder steht vielleicht die Gewinnung von Holz im Vordergrund? Sollen Früchte geerntet werden, wie zum Beispiel Schlehen, Berberitzen, Wildrosen oder Kornelkirschen, die sich zu leckerem Saft, Marmelade oder Likör verarbeiten lassen?
Spannend für die Teilnehmer war auch die Frage, welche Tiere sich in einer Hecke besonders wohlfühlen und wie sich eine solche Struktur gezielt als Lebensraum aufwerten lässt.
Wildbienen, Vögel, Eidechsen, Mauswiesel und viele weitere Tiere können von einer strukturreichen Hecke und einem vorgelagerten Krautsaum profitieren. Unterschiedliche Gehölze, Blüten, Früchte, Totholz und Laub schaffen Nahrung, Versteckmöglichkeiten sowie Brut- und Überwinterungsquartiere.
Gerade für eine Streuobstwiese kann dies von großer Bedeutung sein. Denn wer den natürlichen Gegenspielern von Schädlingen geeignete Lebensräume anbietet, stärkt damit die natürliche Regulation im Ökosystem. Eine Hecke kann somit gewissermaßen zum „Nützlingshotel“ am Rand der Streuobstwiese werden – und die ökologische Widerstandsfähigkeit der gesamten Fläche erhöhen.
Für Streuobstwiesenbewirtschafter kann auch eine Benjeshecke eine praktische Möglichkeit sein, anfallendes Schnittgut sinnvoll auf der Fläche zu verwenden. Die Äste der Obstbäume können in der Hecke aufgeschichtet werden, wodurch der aufwendige Abtransport oder das Häckseln entfällt.
Je nach Lage kann eine Hecke zudem als Puffer gegenüber angrenzenden landwirtschaftlich genutzten Flächen dienen und beispielsweise dazu beitragen, den Eintrag von Düngemitteln oder Pflanzenschutzmitteln auf die Streuobstwiese zu reduzieren.
Doch auch eine Hecke kommt nicht ganz ohne Pflege aus. Wann es Zeit für einen Pflegeschnitt wird, lässt sich laut Matthias Zarte mit einer einfachen Faustregel erkennen: „Unten licht, oben dicht.“
Auch die rechtlichen Vorgaben zur Heckenpflege in Bayern gilt es zu beachten. Bei stärkeren Rückschnitten und beim Auf-den-Stock-Setzen sollte die Hecke möglichst abschnittsweise verjüngt werden. So bleiben stets ungeschnittene Bereiche erhalten, in die Tiere ausweichen können.
Zum Abschluss des Workshops ging es noch einmal nach draußen. Im Feng Shui Park im Lallinger Winkel konnten die Teilnehmer bestehende Heckenstrukturen in der Praxis betrachten und gemeinsam beurteilen: Was funktioniert gut? Was könnte besser sein? Und warum?
Denn genau darin lag eine der wichtigsten Erkenntnisse des Tages: Die perfekte Hecke gibt es nicht.
Eine gute Hecke ist immer eine, die zum Standort, zum Bewirtschafter und zum gewünschten Zweck passt. Entscheidend ist nicht, möglichst viele Funktionen auf einmal zu erfüllen, sondern die richtigen Pflanzen und Strukturen sinnvoll miteinander zu kombinieren.
Oder anders gesagt: Eine gute Hecke ist kein starres Konzept, sondern ein lebendiger Lebensraum, der sich entwickelt, verändert und mit der Streuobstwiese wächst.
Mit vielen neuen Eindrücken, praktischen Tipps und sicherlich dem einen oder anderen Gedanken für die eigene Streuobstwiese ging ein abwechslungsreicher und informativer Workshop im Lallinger Winkel zu Ende.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem